Ihr Textertipp: Akronyme – gut oder schlecht für den Text?

Was ist geläufiger? National Aeronautics and Space Administration oder NASA? Haben Sie schon einmal vom Programme for International Student Assessment gehört? Oder stets von PISA gelesen? Wieso kürzt man die wohlklingende Bezeichnung Fédération Internationale de Football Association schnörkellos mit FIFA ab? Ihr Textertipp sagt's.

All diese Verknappungen setzen sich aus den Anfangsbuchstaben mehrerer Wörter zusammen und bilden so ein Kurzwort, besser unter dem Begriff Akronym bekannt. Sie werden entweder buchstabiert (PKW, EDV) oder im Klang wie vollständige Wörter gesprochen (GEMA) – mit Ausnahme einiger Mischformen1.

Wieso diese Wortneuschöpfungen?

Zum einen: Sie sind angenehmer und schneller lesbar als ihre Namensgeber. Sie kürzen ausufernde Begriffe und verknappen lange Ausdrücke möglichst einfach. Das spart beim Schreiben und beim Lesen Zeit und stärkt den Lesefluss. Denn nur so holpert unser Auge nicht immer wieder aufs Neue über Allgemeiner Deutscher Automobil Club, sondern nimmt ADAC mit einem Blick auf und wir sind froh, dass hier kein langatmiger und schwerer Begriff steht, sondern einer, der als Akronym für Verständlichkeit sorgt.

 

Das gelingt, wenn die verwendeten Akronyme dem Leser bekannt sind. Oder anders gesagt: wenn Schreiber und Leser denselben Hintergrund haben, sprich "auf Augenhöhe" agieren. Nur dann gewinnt die Kurzform gegenüber der eigentlichen Bezeichnung an Schnelligkeit.

Muss klar sein, welcher Begriff sich hinter einem Akronym versteckt?

Beispiel WLAN: Wem fällt schon die Langform ein (Wireless Local Area Network)? Haben wir die Übersetzung aus dem Englischen stets parat? Nicht unbedingt! Und trotzdem können wir mit diesem Akronym durchaus etwas anfangen. Wir verstehen, was es für uns bedeutet. Aus eigener, alltäglicher Erfahrung: Wo WLAN versprochen wird, wissen wir, dass wir kabellosen Internetzugang erwarten können.

 

Es gibt aber auch Kurzwörter, bei denen nicht sofort klar ist, was sie bedeuten. Weil sie zum Beispiel aus Bereichen stammen, in die nicht jeder Einblick hat. Problematisch wird es, wenn fachfremde Personen plötzlich damit konfrontiert werden. Zum Beispiel beim Autokauf: APS? WFS? Hilft das eine per Sensor gegen Parkrempler (automatisches Parksystem), sollen alle anderen außer dem Besitzer mit dem Wagen am besten nichts anfangen können (Wegfahrsperre). Nur wem ist das, bis auf dem Spezialisten, auf Anhieb klar?

 

Deshalb: Erklären Sie! Ist unklar, was das Akronym bedeutet, setzen Sie die ausgeschriebene Bedeutung einmalig in Klammer. Vor allem, wenn es umgangssprachlich nicht verwendet wird. Oder Sie erklären in einem Nebensatz: "Natürlich ist dieses Auto mit APS ausgestattet: Die Sensoren an den Stoßstangen warnen akustisch, wenn Sie Mauern, Gebüsch oder Personen beim Einparken zu nahe kommen." So sind gleich zwei Zielgruppen auf einmal bedient: Der Fachkundige bekommt sein Stichwort und mit dem Laien starten Sie direkt in die Vorteilsargumentation.

 

Denken Sie daran: Akronyme ergeben Sinn, wenn sie gebräuchlich und bekannt sind. Und Sie sicher sein können, dass sie vom Leser auch verstanden werden.

Nicht übertreiben!

Akronyme sind praktisch, wenn sie damit den Wortschatz Ihrer Zielgruppe treffen. Sie limitieren eine sonst ausufernde Aneinanderreihung von (technisch) komplizierten Begriffen auf das Minimum. Jedoch sollten sie niemals den Lesefluss stören – wenn Akronyme in unnatürlicher Anzahl im Text vorkommen. Zum Vergleich: Als sprachlich akzeptabel und verständlich umgesetzt gilt, wenn pro Textabsatz nicht mehr als ein Akronym vorkommt. Es gilt, sich an Sprachstandards zu orientieren, die auf ein breit verständliches Maximum zielen. Wie zum Beispiel in den Nachrichten: Hier berichtet der Sprecher von der Weltgesundheitsorganisation WHO, und würde selten den einen oder den anderen Begriff alleine nennen.

Die Schreibweise von Akronymen

Häufig sind sie viersilbig und meistens werden sie groß geschrieben. Wieso? Eine deutliche Regel dazu gibt es nicht, stattdessen allerhand Vermutungen. Zum Beispiel eine davon: Um das Kurzwort von anderen kurzsilbigen Wörtern zu trennen, die kein Akronym darstellen.

 

Das gilt für NATO oder AGB, Kfz macht diese Vermutung leider schon zunichte. Oder eine andere: Kann ein Akronym zum festen Sprachgebrauch gezählt werden, wird eher klein als groß geschrieben. Jedoch kennt der Duden für die Postleitzahl nur PLZ. Dazu kommt, dass es durchaus Schreibalternativen gibt. Zum Beispiel erlaubt der Duden für NATO auch die Schreibweise Nato. Es gilt: sich an den gängigen Schreibweisen und Empfehlungen zu orientieren.

Besser nicht ...

... Akronyme selbst zu erfinden, um dann plakativ damit zu werben. Die Gefahr der Verwirrung ist zu groß – und eine Wortneuschöpfung mitunter schwer erklärt. Kann der Leser dem Gedanken folgen? Wenn es in die nichtssagende Äußerung führt: Finger weg! Wenn, dann sollten Sie bereits auf vorhandene und in der Sprech- und Lesekultur gefestigte Akronyme zurückgreifen.

 

Ausnahme für den internen Gebrauch: Manchmal lässt sich ein Projekt schneller per Akronym greifbar machen. Jedoch nur, wenn es eingängig und kurz genug ist. Sich selbst sollten Sie jedoch davor schützen, jedem neuen Projekt einen Begleiter per Akronym zu verpassen. Denn die passende und deutliche Namensneugebung ist gar nicht so einfach. Und kostet Zeit.

Kurzum – auf den Punkt gebracht

Spüren Sie das gewohnte Sprachumfeld Ihrer Zielgruppe auf. Und überlegen Sie: Verlässt das verwendete Akronym schon den Sprachhorizont oder ist es nachvollziehbar, da gebräuchlich? Schreiben Sie nur das, was auch verstanden wird.

 

1 nach Dr. phil. Hadumod Bußmann